Name: Cornelia Deinstorfer

Jahrgang: 1964

Familienstand: verheiratet, 3 Kinder

Beruf: Bankkauffrau

Verein: D‘ Lustinga Isartaler München

 

 

Frage: Conny, wie bist Du eigentlich zum Trachtenverein gekommen?
CD: Mein Vater war früher bereits im Trachtenverein, ist aber ausgetreten, als wir von München weggezogen sind. Nach unserer Rückkehr nach München war mein Vater zur Feier der 25-jährigen Vereinsmitgliedschaft eines Freundes eingeladen worden und so kam es, dass ich zum ersten Mal Berührung mit einem Trachtenverein hatte. Kontakte zu Leuten meines Alters waren schnell geknüpft. Nachdem meine Eltern wieder regelmäßiger die Vereinsabende besuchten, blieb mir nichts anderes übrig, als mitzukommen. Schnell entstanden aber Freundschaften und selbst als meine Eltern immer seltener die Vereinsabende besuchten, konnte mich das nicht mehr davon abhalten in den Trachtenverein zu gehen. Im Verein habe ich dann auch meine Mann Manfred kennen gelernt.

Frage: Und wie kam es, dass Du Gaujugendleiterin geworden bist?
CD: Wie es halt so ist in einem Verein. Wer sich engagiert und etwas kann wird früher oder später fast zwangsläufig für ein Amt in der Vereinsvorstandschaft vorgeschlagen und gewählt und so wurde ich in meinem Verein zuerst Schriftführer und später Jugendleiter. Wie dann bekannt wurde, dass der zweite Gaujugendleiter bei der nächsten Wahl nicht mehr kandidieren würde und sich bis kurz vor der Wahl kein Kandidat gefunden hatte, kam in einem Gespräch mit der 1. Gaujugendleiterin Sieglinde Kaminsky, die Idee auf, dass ich mich doch zur Wahl stellen könnte. Nachdem auch die damalige erste Gaujugendleiterin bereits eine Wahlperiode später ihr Amt zur Verfügung gestellt hatte, wurde ich zur ersten Gaujugendleiterin gewählt. Meine Kinder sind seit klein auf mit im Trachtenverein und unterstützen mich heute bei meiner Arbeit wo sie nur können.

Frage: Was sind deine Ziele bei der Amtsausübung, was Deine Vorstellungen?
CD: Wenn Kinder klein sind gib ihnen Wurzeln, wenn sie groß sind gib ihnen Flügel.
Dieser Spruch gefällt mir, er sagt sehr viel aus, was auch ich mir zum Ziel meiner Arbeit gesetzt habe. Wenn Kinder erst einmal mit der Tracht und im Verein verwurzelt sind, dann bleiben sie auch bei der Trachtensache oder kommen irgendwann wieder darauf zurück. Wenn man heute vermitteln kann, dass man in der Gemeinschaft wesentlich mehr erreichen kann als alleine, dann ist schon viel erreicht. Mein Anliegen ist, den Austausch unter den Vereinen, besonders bei den Jugendlichen, zu stärken, denn gemeinsam sind wir stark. Auch muss der Generationenaustausch erhalten bleiben beziehungsweise wieder gestärkt werden. Das gegenseitige Respektieren ist hier sehr wichtig. Gerade dies geht in unserer Gesellschaft leider immer mehr verloren. Auch das Selbstbewusstsein der Kinder und Jugendlichen muss wieder mehr gestärkt werden. In Zeiten der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Resignation leidet auch das Selbstbewusstsein. Dies ist aber wichtig, auch und gerade um Tracht wie selbstverständlich in der Öffentlichkeit zu tragen und sich damit zu identifizieren. Wenn ich in dieser Richtung etwas erreichen kann, dann ist der größte Ansatz zum Erhalt unserer Tradition bereits gemacht. Wichtig ist auch, jedem Mitglied, und sei es noch so jung, nach seinen Fähigkeiten und Fertigkeiten Verantwortung im Verein zu übertragen. So kann jeder individuell gefördert du gefordert werden und kann sich selbst in den Verein einbringen. Verantwortung ist erlernbar.
Ein Trachtenverein ist nebenbei bemerkt etwas für die ganze Familie, im Gegensatz zu so vielen anderen Freizeitaktivitäten.

Frage: Noch eine Frage zum Schluss: Wie sieht Deine Planung für die Zukunft aus?
CD: Trotz einem momentanen Zeitaufwand von durchschnittlich ein bis zwei Stunden am Tag habe ich nicht vor, das Amt des Gaujugendleiters in absehbarer Zeit aufzugeben. Was nicht heißt, dass ich niemandem die Chance geben werde, der diese Arbeit wirklich gerne machen möchte. Die Arbeit als Gaujugendleiter stellt für mich keine Selbstverwirklichung dar. Es ist allerdings schon ein schönes Gefühl, wenn man auf Veranstaltungen und im persönlichen Kontakt sieht, dass die Menschen mit der geleisteten Arbeit und einem selbst zufrieden sind. Auch wenn leider manchmal übesehen wird, dass ich Entscheidungen aus sachlichen Gründen zu treffen habe, unabhängig von der Person.  Aber die Freude in den Augen der Kinder und die geschlossenen Freundschaften, das ist für mich oft schon Feedback genug.

Conny, danke für das Gespräch.
Das Interview führte Mike Eder