Brauchtum im Jahreslauf

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Januar

20 C + M + B 04 – Christus Mansionem Benedicat
Ein Brauchtumskalenderblatt
Der Januar verdankt seinen heutigen Namen dem römischen Gott Janus. Dieser galt als Gott des Torbogens, des Anfangs und des Neubeginns. Früher hatte er viele Namen: „Winter-„, „Eis-„, „Harre-“ oder „Dreikönigsmonat“, aber auch „Hartung“, „Wolfs-„, „Hart-„, „Eis-“ oder „Schneemond“.Das Neujahrsfest hat seine Ursprünge in alten römischen und auch germanischen Bräuchen, die die Kirche nicht ausrotten konnte. Es wurde nicht immer am 01. Januar gefeiert. So fiel das Neujahrsfest im Mittelalter nach dem Julianischen Kalender auf Maria Verkündigung (25. März) und bei den alten Römern war es noch die Tag- und Nachtgleiche am 21. März. Bis 1691 feierte man es noch am 6. Januar als Großneujahr.  Am Janustag (1. Januar) schlossen die alten Römer die Saturnalien, die vom 17. Dezember bis heute dauerten mit allerlei wilden Treiben. Die Kirche feierte diesen Tag zuerst als Bußtag, bis etwa ab dem 13. Jahrhundert dieser zum Fest der Beschneidung Christi und seiner Namensgebung wurde.Brauchtum um diesen Tag ist u.a. das Entzünden der Taufkerze am Morgen, das Neujahrssingen, spezielles Neujahrsgebäck, aber auch die Neujahrsbesuche. Man verschenkt verschiedene Glücksbringer vom Kleeblatt bis zum Miniaturschornsteinfeger. Glückskarten werden bereits seit dem 15. Jahrhundert verschickt.An manchen Orten wechselten die Dienstboten am 02. Januar ihre Anstellung. Am 04. Januar kommt die Erde der Sonne in ihrem Kreislauf am nächsten.Jedes Jahr um den 6. Januar ziehen als Kasper, Melchior und Balthasar verkleidete Ministranten als die „Sternsinger“ von Haus zu Haus. Sie singen Segenslieder und räuchern die Wohnungen aus. Als sichtbares Zeichen werden an die Türen der Häuser das Jahr und die Buchstaben C, M und B mit geweihter Kreide angebracht: 20 C + M + B 02. Ein irrtümliches K für das C ist falsch. Zwar ist man Vielerorts der Ansicht, die Buchstaben ständen für die Namen der heiligen drei Könige, richtig ist jedoch, dass es „Christus Mansionem Benedicat“ bedeutet – „Christus segne dieses Haus“. Die Bezeichnung „Weise“ („die drei Weisen aus dem Morgenland“) stammt aus der griechischen Übersetzung. Das griechische Wort „magoi“ (Magier) bezeichnete früher Mitglieder einer persischen Priesterkaste, die sich mit Sternenkunde und Astrologie befassten. In frühchristlichen Darstellungen schwankte die Zahl zwischen 2 und 12 Personen. Im 3. Jahrhundert zählte man schließlich drei, weil jeder ein Geschenk übergeben sollte und in Anlehnung an das Alte Testament (Psalm 72 von Salomo) erhielten die Sterndeuter nun auch ihre Königskrone.Getauft wurden die drei Gabenbringer wahrscheinlich vom Papst Leo I. (Kaspar = Schatzträger, Melchior = Lichtkönig, Balthasar = Gottesschutz). Aus dem 6. Jahrhundert sind Legenden mit den Namen der drei Könige bekannt, die nicht an der Krippe endeten. Der 6. Januar ist auch die letzte der zwölf Rauhnächte. An manchen Orten segnet man Haus, Hof und Stall mit Weihwasser und Weihrauch am Vorabend.Den Sonntag nach dem Dreikönigstag ist der „Taufe des Herrn“ gewidmet. An diesem Tag traten neue städtische Bedienstete wie Bürgermeister oder Stadträte ihre Ämter an. Er galt früher als arbeitsfreier Tag. Am „Plugmontag“, dem ersten Montag nach dem Dreikönigstag, nutze man zur Instandsetzung der Ackergeräte. Als „verlorener Montag“ wurden an ihm mancherorts die Christbäume wieder abgeschmückt und weggeräumt. Diese können aber auch bis „Lichtmess“ stehen bleiben. An Antonius (17. Januar) gebackenes Brot sollte nach altem Glauben nicht schimmeln. Früher lies man in Dörfern und Städten so genannte Antoniussäue herumlaufen, die jeder füttern musste. Bei der „Petri Stuhlfeier“ (18. Januar) gedenken die katholischen Christen der Errichtung des römischen Bischofstuhles durch den Apostel Petrus und somit der Inthronisierung des Papstes. Ab den 20. Januar schlug man in vielen Gegenden kein Holz mehr, da der Saft wieder in den Bäumen floss. Am Tag der Bekehrung des Apostels Paulus (25. Januar) überprüfte man seine Wintervorräte und hoffte auf gute Wetterprognosen, da der Winter zur Hälfte um war und die Vorräte meistens rar wurden. Ein Aufbrauchen der Vorräte war in früheren Zeiten ohne Supermarkt und Kühlschrank der sichere Tod für die Familie. © 2004, Thomas Maier


Februar

Von Lichtmess und dem Blasiussegen
Ein Brauchtumskalenderblatt

Im altrömischen Kalender war der Februar der zwölfte Monat im Jahreskreislauf. Daher war er der Monat der Sühne, der Besinnung, Läuterung und Reinigung. Februar kommt von februare (=reinigen).

An „Maria Lichtmess“ (2. Februar) wechselten noch vor 90 Jahren die Dienstboten den Herrn (Bauern). Sie erhielten an diesem Tag ihren Jahreslohn und das „Ausgemachte“ (Nahrung und Kleidung). Zusätzlich erhielten die Mägde von den Knechten ein „Wachsstöckl“ für das Aufschütteln der Strohsäcke und das „Bett machen“ unterm Jahr. Dabei handelte es sich meist um ein Medaillon mit einem Heiligenmotiv, um das kunstvolle Wachsfäden mit Docht gezogen wurden. Drei Tage feierten die Mägde mit Trink- und Tanzgelage bis zum 05. Februar, „Schlenklweil“ genannt. Noch bis 1912 war Lichtmess in Bayern ein offizieller Feiertag.

In den Kirchen werden seit dem 7. Jahrhundert zu Lichtmess die Kerzen für das Jahr geweiht, so auch die „dunkle Wetterkerze“, die Hagel und Blitzschlag abwenden soll. Heutzutage feiert man an Lichtmess die „Darstellung des Herrn“ im Tempel zu Jerusalem. Maria und Josef bringen nach dem Gesetz Mose das neugeborene Kind in den Tempel, um es Gott zu weihen. Der greise Simeon, der schon lange auf den Messias gewartet hat, erkennt in diesem Kind das Licht der Welt. Die Lichterprozessionen gelten als Vorboten auf Ostern.

Lichtmess ist eines der ältesten Marienfeste, hat aber auch einen Bezug zum heidnischen Fest „Imbolc„, was soviel heißt wie „im Schoß“. So ruht das neue Leben noch im Schoß der Erde, beginnt sich aber, langsam zu zeigen. Unsere heidnischen Vorfahren begrüßten dies mit Fackeln und Kerzen.

Am 3. Februar wird dem Heiligen Blasius gedacht. Er soll einen Jungen, der eine Fischgräte verschluckt hatte, gesegnet und ihm so das Leben gerettet haben. Mit dem Blasiussegen, den der Priester mit zwei entzündeten, gekreuzten Kerzen erteilt, erhoffen sich die Gläubigen daher Schutz vor Halsleiden und jeglichen Erkrankungen. Früher gab es aus demselben Grund ein Blasienbrot. Auch warf man Asche, Mehl und Salz in den Wind, um für eine gute Ernte zu bitten.

Am 6. Januar (Tag der heiligen Dorothea) wurden früher Schülerinnen und Lehrmädchen von der Gemeinde beschenkt.

Während man heute am Valentinstag (14. Februar) seine Liebsten meist mit Blumen beschenkt, war dieser Tag im Mittelalter als Unglückstag bekannt, da es der Geburtstag von Judas Ischariot, dem Verräter Jesus am Ölberg, gewesen sein soll. Seinen Ursprung hat das Fest wahrscheinlich im alten Rom, wo der Ehegöttin Juno schon damals der Altar mit Blumen geschmückt wurde und man den Frauen Blumen schenkte. Auch ein Fruchtbarkeitsfest der Hirten für Feld, Herde und Schäfer könnte der Ursprung gewesen sein.

Mit dem 7. Januar beginnt in Bayern und Österreich inoffiziell die fünfte Jahreszeit. Der Fasching hat seinen Ursprung in vorchristlichen Fruchtbarkeitsriten und dem Winteraustreiben, welche sehr ausgelassen gefeiert wurden.

Den Höhepunkt findet die „narrische Zeit“ in den drei Fastnachtstagen vor dem Aschermittwoch. „Fastnacht“ bedeutet „Nacht vor dem Fasten“ und man verbrauchte an diesen Tagen alle Lebensmittel, die man in der Fastenzeit nicht mehr aufbrauchen durfte. Es waren arbeitsfreie Tage. Sogar in der Landwirtschaft ruhte die meiste Arbeit. Der Name „Rosenmontag“ kommt aus der Kölner Mundart. „Rosen“ bedeutet hier soviel wie „toben“.

Dem Fasching folgt die Fastenzeit. Diese beginnt am „Aschermittwoch“ bei den Gläubigen mit der Auflegung des Aschenkreuzes. Die Asche wird aus den verbrannten „Palmkatzl“ (Weidenkätzchen) des vorherigen Jahres gewonnen. Der Pfarrer spricht beim Auflegen die Worte: „Bedenke o Mensch, dass du Staub bist und zu Staub wieder wirst.“ Früher wurden die Aschenreste von den Bauern mit nach Hause genommen und auf den Feldern verstreut, um dadurch Gottes Segen für einen fruchtbaren Boden zu erbitten.

Eine Kuriosität ist der 24. Februar, der als Schalttag gilt – und nicht der 29. Februar, den es ja bekanntlich nur alle vier Jahre gibt. Ursprung hat dies im römischen Mondkalender, bei denen der Februar am 23. oder 24. Tag abgebrochen wurde. Der Pontifex Maximus – das war nicht der heutige Papst, sondern das höchste römische Priesteramt – schob den Schaltmonat „Mercedonius“ mit 22 oder 23 Tagen nun ein. Auch nach der Kalenderreform hängten die Römer dem Monat Februar keinen 29. Tag an. Stattdessen zählten sie den sechsletzten Tag, also den 24. Februar, doppelt in einem Schaltjahr. 

© 2004, Thomas Maier

März

Im Märzen der Bauer
Ein Brauchtumskalenderblatt

Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt…“, heißt es in einem alten Volkslied. Es ist die Zeit des Frühlings, der mit dem 20. März auch kalendarisch beginnt. Der März hat seinen Namen von römischen Kriegs- und Wettergott Mars, auch Martius genannt. Aber auch Lenzing, Lenz-Monat oder Frühlings-Mond sind Namen von ihm.

Am 1. März wurden früher viele Verlobungen geschlossen. Auch war er ein Lostag für Liebende. Besonders Kinder, die am 7. März geboren wurden, sollten – Ehrlichkeit vorausgesetzt – gute Eheleute abgeben.

Schafe, die zur weiteren Zucht nicht geeignet waren, wurden im Frühjahr, meist im März, ausgesondert. Daher kommt auch der Begriff „ausmerzen“.

In vielen bäuerlichen Gebieten schlossen die Schulen am 12. März, da die Kinder als Feldarbeiter benötigt wurden. Die „kleinen Leute“ waren als Arbeiter unabkömmlich, da viele Familien sich externe Arbeitskräfte finanziell nicht leisten konnten und die Industrialisierung in die Höfe noch nicht Einzug gehalten hatte. Maschinen wie Traktor, Mähdrescher und ähnliches waren noch unbekannt und die schwere körperliche Arbeit musste mit der Hand verrichtet werden.

Die Fastenzeit beginnt mit dem Aschermittwoch 40 Tage vor dem Osterfest, das wiederum am Sonntag nach dem ersten Vollmond nach dem Frühlingsanfang gefeiert wird. Damit ist die diesjährige Fastenzeit vom 25. Februar bis 10 April 2004. Wer diesen Zeitraum nachzählt, kommt auf 46 Kalendertage. Zur Fastenzeit zählen jedoch nicht die sechs Sonntage, da Christen jeden Sonntag die „Auferstehung des Herrn“ im gemeinsamen Gottesdienst feiern.

Schon im 2. Jahrhundert bereitete man sich durch zweitägiges Fasten auf den Ostersonntag vor. Im 3. Jahrhundert wurde die Fastenzeit auf die Karwoche ausgedehnt, bis mit dem Konzil von Nicäa die 40tägige Vorbereitungszeit auf Ostern zum ersten Mal dokumentiert wurde. Zum Fasten hinzu kamen später die Motive der Buße und der Taufvorbereitung. Fasten dient und diente von jeher vielen Völkern zur inneren Vorbereitung auf besondere Feste und Anlässe.

Da die 40tägige Fastenzeit in den Klöstern meist sehr streng eingehalten wurde, suchte man nach Möglichkeiten, den geschwächten Körper im Rahmen der klösterlichen Regeln zu stärken. So wurde ein stärkerer Umtrunk – das Starkbier – gebraut. Dieses stellte keinen Verstoß gegen die Klosterordnung dar, denn nach einer alten Regel „bricht Flüssiges das Fasten nicht“.

Auch heute noch wird in vielen Brauereien ein spezielles Bier in der Fastenzeit gebraut. Das bekannteste, der „Salvator“, lässt berühmte, aber auch weniger bekannte Persönlichkeiten des täglichen Lebens jedes Jahr auf den Münchner Nockherberg zum „Politiker-Derbleka“ pilgern.

Noch bis 1912 war der Josefi- oder Joseftag ein gesetzlicher Feiertag in Bayern. An diesem Tag, dem 19. März, hatten viele Männer und Burschen Namenstag, welcher mit dem Josef-Umtrunk gefeiert wurde.

Das Fest Maria Verkündigung (25. März) ist eines der vier ältesten Marienfeste und war ursprünglich die christliche Version des Frühlingsanfangs. Es erinnert daran, wie der Erzengel Gabriel Maria die Geburt Jesu ankündigt. Ab diesem Tag wartete man auf die heimkehrenden Frühlingsboten Storch und Schwalbe. Sah man die erste Schwalbe, so öffnete man alle Fenster. Wo sie nistete, schützte sie vor Blitzschlag. Auch der Viehsegen wurde früher an diesem Tag erteilt.

© 2004, Thomas Maier

 

April

Von Palmeseln und Karfreidaratschn
Ein Brauchtumskalenderblatt

Vom lateinischen „aperire“, d.h. öffnen, hat der April seinen Namen und bereits der römische Dichter Ovid hat in als Monat besungen, der die Erde, die Knospen und die Blüten ebenso öffnet wie die Herzen der Menschen. 

Der Aprilscherz war einst nur dem Adel vorbehalten. Doch bald machte es auch das gemeine Volk nach. So versucht man noch heute mit ausgefallenen aber glaubhaften Aufträgen, die meist gar nicht erfüllbar sind, seinen Mitmenschen „in den April zu schicken“. Die Verschiebung vom 1. August auf den 1. April geht auf den Immerwährenden Reichstag zu Regensburg zurück. 

Nach altem Glauben war jedoch der 1. April ein Unglückstag, an dem angeblich Judas, jener Jünger der Jesus Christus auf dem Ölberg an die Häscher verraten hatte, geboren wurde und Luzifer in die Hölle geschickt worden war. Auch war es der Tag des Engelsturzes. 

Die Karwoche, die letzte Woche vor Ostern beginnt mit dem Palmsonntag. Der Name stammt vom althochdeutschen „Kara“ – Wehklagen. In der Karwoche wurde früher keine Wäsche gewaschen und nicht in der Erde gearbeitet. Auch die anderen Arbeiten in Haus und Hof ruhten soweit wie möglich und man feierte keine Feste, lies bei Schuldnern milde walten und begnadigte Gefangene. 

Am Palmsonntag, eine Woche vor Ostern, zog Jesus auf einen Esel in Jerusalem ein. Die Bevölkerung feierte ihn als Messias, jubelte ihm mit Palmen in den Händen zu und sie breiteten ihre Umhänge über die Straße. 

In einer feierlichen Prozession tragen auch die Christen jedes Jahr Jesus in Form des Kreuzes in ihre Kirche und bringen davor geweihte „Palmzweige“ mit. Da Palmen in unseren Breiten eher selten sind, behilft man sich mit Weidenkätzchen („Palmkatzl“), Buchsbaum oder auch Wacholder. Seit dem 11. Jahrhundert finden in Deutschland auch Palmsonntagsprozessionen statt, bei dem eine Christusfigur auf einem Esel, dem Palmesel, mitgeführt wird. Nach dem Gottesdienst werden die geweihten Zweige mit nach Hause genommen und hinter die im Haus befindlichen Kreuze oder Weihkessel gesteckt. So sollen sie das Unglück vom Haus fernhalten.

Schon die alte Kirche begann den Gründonnerstag als Gedenktag der Einsetzung des Abendmahls (de coena domini). Es war das letzte gemeinsame Mahl das Jesus mit seinen engsten Vertrauten, den zwölf Jüngern, einnahm und mit dem Aufbruch Judas zum Verrat endete. Nach der Fußwaschung gab sich Jesus selbst den Jüngern durch Brot und Wein. Dies war der Anfang des christlichen Glaubens. 

In der römisch-katholischen und orthodoxen Kirche werden am Gründonnerstag die Büßer wieder durch Absolution in die christliche Gemeinschaft angenommen. Der Priester wäscht verdienten Bürgern aus der Pfarrgemeinde in Anlehnung an Jesus Christus die Füße und weiht das heilige Öl. So feiern seit etwa 1500 Jahren die Christen den Gründonnerstag zur Erinnerung an die Einsetzung der heiligen Eucharistie. Nach dem Gloria-Gesang verstummen die Orgeln und die Glocken „fliegen“ nach altem Volksglauben nach Rom.  

Am Karfreitag, dem höchsten Feiertag der evangelischen Kirche, findet gemäß dem Neuen Testament das Leiden und Sterben Jesu Christi sein Ende im Tod am Kreuze. Mit Klappern und Ratschn werden die Gläubigen in die Kirche gerufen, in der mit der Kreuzwegandacht an die 14 wichtigsten Stationen dieses Tages erinnert wird.   

Der Karfreitag ist der wichtigste Fastentag im Kirchenjahr. Wie am Aschermittwoch verzichten daher viele Gläubige auf Fleisch „der Tiere des Himmels und der Erde“. Eine Ausnahme bildet der Fisch, der eines der ältesten Symbole des christlichen Glaubens ist. Schon zur Zeit der Christenverfolgungen war er das Erkennungszeichen der noch jungen Glaubensgemeinschaft. „Ichthys“, Abkürzung für „Iesus Christos Theos Yos Soter“ (Jesus Christus, Gottes Sohn, Retter), war auch das griechische Wort für Fisch. 

Der Karsamstag ist der Tag der Grabesruhe, an dem sich die Jünger vor Angst versteckten. 

In der Osternacht kommen die Christen zur Feier der Auferstehung des Herrn zusammen und entzünden am geweihten Osterfeuer vor der Kirche die Osterkerze, das Sinnbild für die Auferstehung Christi. Dann trägt sie der Priester in die noch dunkle Kirche, in der sie die Gemeinde mit einem dreimaligen „Christus das Licht – Gott sei ewig Dank“ begrüßt. Beim Gloria in der heiligen Osternacht kehren die Glocken mit der Orgel in vollem Klang in die Kirche zurück. Auch das Taufwasser wird an diesem Tag geweiht und die Gläubigen erneuern ihr Taufversprechen. Oft werden auch in dieser Nacht neue Christen durch die Taufe in die Gemeinschaft aufgenommen. Auch werden bei katholischen Gottesdiensten mitgebrachte Speisen – ein Osterlahm, Ostereier, Brot, Geräuchertes, Salz, u.v.m. – gesegnet und zu Hause gemeinsam beim Ostermahl verspeist. 

Ostern, das sich von dem Begriff „Ostara“ (Osten), „Eostre“ oder „Eoastrae“ ableitet, war der Name der teutonischen Göttin der Morgenröte, des Frühlings und der Fruchtbarkeit. Das heidnische Fest der Ostera wurde wie andere germanische Festtage mit christlichem Gewand ummantelt. In deren Lehre kommt Ostern von Osten. Die Blicke der Frauen, die zuerst am leeren Grab Jesu standen, richteten sich in diese Himmelsrichtung der Morgenröte entgegen auf, da sie glaubten, Jesu kommt von dort auf die Erde zurück. Teilweise wird auch nur die zweite Erklärung für richtig gehalten. So bedeutet nach Dietz-Rüdiger Moser Ostern „Auferstehungsgottesdienst am Morgen“. Die Göttin „Ostara“ sei vielmehr ein Konzept der Nationalsozialisten. 

Ostern ist von jeher mit zahlreichen Bräuchen verknüpft. Das Osterwasser hat seinen Ursprung in heidnischer Zeit und galt als Ursymbol des Lebens und der Fruchtbarkeit. Nach dem Volksbrauch muss das Osterwasser in der Nacht von Ostersamstag (Karsamstag) auf Ostersonntag zwischen Mitternacht und Sonnenaufgang gegen den Strom aus einem Bach geschöpft und schweigend nach Hause getragen werden. So soll es gegen Augenleiden, Ausschlag und andere Krankheiten helfen. Mädchen schöpften das Wasser als Symbol für Fruchtbarkeit und Bauern trieben das Vieh als Schutz vor Krankheiten in die Bäche. Mancher Orts kannte man diesen Brauch auch als Karfreitagswasser. 

Auch das (Oster-) Ei galt seit der Frühzeit der Menschheit als Sinnbild des Lebens. Es hält etwas verborgen, ist wie ein verschlossenes Grab und doch schlüpft Leben. So war es in der christlichen Urgemeinde ein Zeichen für die Auferstehung Christi. Auch die Frage der Ewigkeit lässt sich mit dem Ei verknüpfen, dass ja bekanntlich kein Anfang und Ende hat. Als Gegenleistung für gepachtetes Land bekam der Grundherr Eier überreicht. So war das Ei im Mittelalter eine Berechnungseinheit für Pacht und Zins. 

Schon seit mehr als 1000 Jahren sind in Ägypten farbige Eier bekannt. Die traditionelle rote Farbe ist ein Zeichen des Blutes Christi, des Lebens, des Sieges und der Lebensfreude. Auf Eierfahrt gehen die jungen Burschen am Ostermontag beim „Osterschnaps“. Der als „Heiratsmarkt“ ursprünglich erdachte Brauch lässt die Burschen nette Deandl besuchen, die diese mit Schnaps und einem Ei entlohnen.  

Auch der Osterhase hat viele Verbindungen mit dem Osterfest. So gilt der Hase als Fruchtbarkeitssymbol und war in der byzantinischen Tiersymbolik ein Zeichen für Christus. Das Bild des Hasen wurde dem Osterbrot aufgeprägt, in das ein Ei eingebacken war. So entstand die Vorstellung vom Hasen, der Eier legt. Aber auch andere Tiere, wie Fuchs, Kuckuck oder Hahn brachten lange Zeit die Eier. 

Das Osterlamm hat seinen Ursprung im Ritual der Juden, zum Passahfest ein Lamm zum Gedenken an Gott zu schlachten und zu verspeisen. Im Christentum wurde es zum Lamm Gottes, dass, versehen mit der Fahne als Zeichen des Sieges, als Symbol des Lebens verstanden wird. Auch ist es ein Zeichen für Reinheit und friedliche Lebensweise. 

Am Ostermontag ist Jesus zwei seiner Jünger auf den Weg nach Emmaus erschienen. Christen machen sich auf diesen Tag auf den Emmausgang zu Kirchen und Kapellen. Früher war dieser Tag oft ein Marktag, an dem man auch Verwandte und Freunde besuchte. 

So ist das Osterfest der Mittelpunkt der christlichen Auferstehungslehre. 

Zum Schluss sei noch an dieser Stelle erwähnt, dass jener, der am längsten an den Feiertagen zu Ostern im Bett bleibt, mit allerlei scherzhaften Spitznamen bedacht wird. So gibt es den Palmesel, die Karfreidaratschn und das „stingade Oa“. 

Der 15. April wird mancherorts Kuckuckstag genannt. So ging man früher los, um den Kuckuck schreien zu hören. Nach alter Überlieferung hatte man noch so viele Jahre zu leben, wie viele Male der Kuckuck schrie. Auch sollte einem nie das Geld ausgehen, wenn man in seiner Tasche das Geld klimpern lies, wenn man diesen hörte. 

Am Georgitag (23. April) feierten die Bauern das Fest des Heiligen Georg mit reichlichem Brauchtum. Auch heute findet an vielen Orten noch ein Georgi-Ritt mit Pferdesegnung statt. Ab heute wurde das Kleingeflügel ins Freie gelassen und die Landkinder mussten barfuss gehen, um die Schuhe zu schonen. Auch übten die Hirten von heute bis Martini (10. November) ihr Amt aus und die Rinderherden wurden weidegängig gemacht. 

Die Hexen trieben auch an Georgi ihr Unwesen. Sie konnten der Saat und dem Wachstum Schaden zufügen. 

Am Markustag (25. April) finden vielerorts Markusprozessionen statt, bei denen um Segen für die Feldfrüchte gebeten wird. 

Die Nacht vom 30. April auf den 1. Mai ist als Walpurgisnacht bekannt. Die heilige Walpurga war eine Äbtissin im 8. Jahrhundert und galt als Beschützerin vor Zauberei und Hexerei. Es ist die Zeit der letzten Winterkräfte. In heidnischer Vorzeit wurde der Sommeranfang und die Fruchtbarkeit von Menschen, Tieren und Pflanzen an geheimen Orten mit Gesängen und Tänzen beschworen.  

Auch sollen an diesem Tag die Hexen auf einer Astgabel, die später zum Besen wurde, zum Blocksberg in den Harz fliegen und ihr großes Treffen abhalten. Mit viel Lärm –z.B. Peitschenknallen- versuchte man die Hexen von Haus und Hof fernzuhalten. Mancherorts wurde eine Strohhexe ins Feuer geworfen und man holte alles ins Haus, was die Hexen mitnehmen konnten. Daraus entstand der Brauch der Jugendlichen, in dieser Nacht herumzuziehen und Streiche zu machen. Diese „Freinacht“-Späße verursachen auch heutzutage noch gehörige Schäden. Der Name Freinacht kann mit dem 1. Mai als alten Musterungstermin zusammenhängen. Die jungen Burschen tobten sich noch einmal in der letzten freien Nacht vor dem militärischen Drill so richtig aus.

© 2004, Thomas Maier

Mai

Von Maibäumen, Himmelfahrt & Pfingsten…
Ein Brauchtumskalenderblatt 

Seinen Namen hat der Mai von der Erd- und Wachstumsgöttin Maia. Der zweite Namenspate ist der Göttervater Jupiter Maius.

Der Mai ist der Marienmonat, in dem zahlreiche Maiandachten gefeiert werden. Fruchtbarkeit und Wachstum verbindet den Mai mit der Gottesmutter Maria. Oft werden kleine, blumengeschmückte Maialtäre mit Kerzen und einer Mutter Gottes aufgestellt und diese zum Nachtgebet entzündet.

Seit 1933 ist der 1. Mai ein gesetzlicher Feiertag (Internationaler Tag der Arbeit) und seit 1955 Fest des heiligen Josef, Schutzpatron der Arbeiter. Doch schon im Mittelalter gab es am Beginn des Sommerhalbjahres Ritter- und Turnierfeste mit Waffenschauen und Maiumzügen. An diesen wurde die „Maikönigin“ gewählt, welche das schönste und fleißigste Mädchen im Dorf war. Auch der Brauch, seiner Liebsten einen „Maien“, ein mit bunten Bändern geschmücktes Birken- und Tannenbäumchen, an das Fenster, die Tür oder auf das Dach zu stecken, war bereits im frühen Mittelalter bekannt. Dem „Liebesmaien“ entgegen stand das „Schandmaien“. Jene bestanden aus Reisigbüschel, Dornenzweige oder gar Strohpuppen, die man auf das Dach band.

Auch das Maifeuer und Maitänze (modern: Tanz in den Mai) sind seit jeher in der Walpurgisnacht (siehe April) beliebt.

Das Aufstellen des Maibaumes ist seit Beginn des 16. Jahrhunderts belegt. Die Bräuche hierbei sind sehr unterschiedlich. So wird mancherorts der Baum bereits im Winter z.B. am Thomastag (21. Dezember) gefällt, während anderorts dies erst um den ersten Mai erfolgt. Der Baum muss, sobald er aus dem Gehölz ins Trockene gebracht wurde, bis zum Festtag streng bewacht werden, da es seit jeher Brauch ist, dass Burschen aus anderen Ortschaften versuchen, diesen zu stehlen. Die Auslöse beträgt dann meist eine Brotzeit und Freibier. Der Baum kann Natur belassen, geschält und/ oder bemalt werden. Aus den Handwerkerbräuchen der Barockzeit entwickelte es sich, dass Zeichen ortsansässiger Vereine an den Baum befestigt wurden. Die Standzeit des Baumes ist ebenso unterschiedlich und kann von einem Monat bis zu mehreren Jahren betragen.

Aufgestellt wird der Baum um den 01. Mai durch Manneskraft der örtlichen Burschen mit Hilfe von so genannten „Schwaibe“, dass heißt, er wird mit Stangen zwischen zwei Spangen zum Stehen gebracht. Steht der Baum, tanzt die Dorfjugend um den Baum den „Bandl-“ oder Maientanz, bei dem Bänder gekonnt ineinander verflochten werden. Dann feiert das ganze Dorf unter dem Schatten des Baumes.

Am Kreuzauffindungstag (3. Mai) versucht man sich seit dem 12. Jahrhundert durch Wetter- und Hagelkreuze vor Blitz und Wetterschaden zu schützen. Besonders an diesem Tag wurde an den Wegkreuzen gebetet.

© 2004, Thomas Maier

Juni

Von der Schafskälte und Siebenschläfer
Ein Brauchtumskalenderblatt

Der Juni ist nach der römischen Göttin Juno, der Gattin des Göttervaters Jupiter benannt worden. Ein alter Name ist „Brachmond“, da man bei der alten Dreifelderwirtschaft im Juni daran ging, das dritte, das Brachfeld zu bearbeiten. Auch Rosenmonat wird er genannt, da er die Zeit des Blühens und Duftens verkörpert.

Nach altem Volksglauben muss am 8. Juni das Abendessen völlig aufgegessen werden, da man sonst den ganzen Sommer über mit der Arbeit – gemeint war die Heuernte – im Rückstand blieb.

Die „Schafskälte“ ist im Juni gefürchtet. Diese kommt in der Zeit, in der die Schafe frisch geschoren sind.

Am St.-Vitus-Tag (15. Juni) gingen die Jungen durch den Ort und sammelten Holz für das Himmelsfeuer, welches Glück verhieß. Aber auch für das Johannisfeuer wurde das erste Holz gesammelt.

Um den 21. oder 24. Juni findet in vielen Orten in Bayern die Sonnwendfeiern statt. Hierzu werden auf den Hügeln und Bergen Sonnwend- oder Johannisfeuer entzündet. Dieser Brauch wurde bereits bei den alten Germanen gefeiert. Beim Sprung über das Feuer versprachen Liebende sich das Heiraten. Erst mit Einzug der christlichen Lehre wurde aus dem Sonnwendfeuer das Johannisfeuer. Johannes der Täufer (24. Juni) ist der einzige Heilige, bei dem der Geburtstag gefeiert wird. Bei allen anderen feiert man den Todestag. An Johanni schütze man sich mit Girlanden aus Efeu, Johanniskraut oder ähnlichen vor den Umtrieben der Hexen. Überhaupt war das Sammeln von Heilkräutern in dieser Nacht weit verbreitet, denen man besondere Kräfte nachsagte. An diesem Tag sollte man die Sprache der Tiere verstehen und verborgene Schätze finden können.

Auch Brunnenfeste wurden heute gefeiert, bei denen der Dorfbrunnen gesäubert und anschließend am Brunnen gemeinsam gefeiert wurde. Auch das Backen von Johanniskuchen, Blumenorakel, Johannis- oder Kronenbaum, die Johanniskrone, das Johanniskleid und das Johannisbier sind Bräuche zu dieser Zeit.

An Siebenschläfer wurde früher am 27. Juni gefeiert. Nach alter Legende wurden im Jahre 251 nach Christus bei der Höhle von Ephesus sieben christliche Brüder auf der Flucht auf Geheiß des römischen Kaisers Decius (249 – 251) eingemauert. Dort schliefen sie 195 Jahre, bis sie am 27. Juni 446 befreit wurden und ihren Glauben an die Auferstehung der Toten bezeugten. Dann starben sie. Bis in das 18. Jahrhundert hat es im Wallfahrten zu den heiligen Siebenschläfern gegeben.

Siebenschläfer ist heute noch ein Lostag für das Wetter. So heißt es: „Das Wetter am Siebenschläfertag sieben Wochen bleiben mag.“

Der „Wetterherrentag“, den 29. Juli, war dem heiligen Apostel Paulus gewidmet, der gemeinsam mit dem Heiligen Peter als Wetterherren galt („Peter und Paul“). Zum heiligen Petrus betete man bei Dürre um Wasser. Aber auch bei Schlangenbiss, Furcht, Hagel, im Kampf und bei der Fruchtbarkeit der Felder bot er seine Hilfe an.

© 2004, Thomas Maier

Juli

Der Cäsarenmonat
Ein Brauchtumskalenderblatt

Benannt ist der Juli nach Gajus Julius Cäsar, dem wohl bekanntesten Heerführer und Diktator des antiken römischen Reiches, der im Jahre 44 vor Christus ermordet wurde. Zu seinen Taten zählte unter anderem die Reform des Kalenders, der seit dieser Zeit 365 Tage hat. 

An Maria Heimsuchung (2. Juli) gedenkt man der Begegnung der schwangeren Basen Maria und Elisabeth. Zum Schutz vor Naturgewalten, insbesondere Blitz und Gewitter, hängte man ab jetzt gerne Haselnusszweige und Rosenkränze an die Fenster.

Am 4. Juli endete bei den alten Germanen die Mittsommerfeste.

13 der 14 Nothelfer gedenkt man am 8. Juli: Achatius, Ägidius, Barbara, Blasius, Christophorus, Cyriacus, Dionysius, Erasmus, Eustachius, Georg, Katharina, Margareta, Pantaleon, und Vitus.

Besonderen Anlass zum Feiern gab früher die letzte Korbgarbe, die Hakelmai, Harkemei oder Hackemei genannt wurde. Sie durfte nicht trocken eingefahren werden, weswegen man dem Träger Wasser entgegenspritzte. Dieser Regenzauber war das Symbol für genügend Feuchtigkeit der Feldfrüchte zur Saatzeit und während des Wachstums.

Der Apostel gedenkt man am 15. Juli, die sich an diesen Tag trennten, um das Evangelium der Welt zu verkünden.

Die Hundstage haben Ihren Namen vom lat. „canicula“ (Hundsstern, Sirius im Sternbild des großen Hundes) und beginnen mit dem 23. Juli. Bereits im alten Ägypten waren sie bekannt. Sie galten nach altem Aberglaube als Unglückstage. So vermied man aus Angst jede unnötige Berührung mit Wasser. Das Aderlassen war gefährlich und die Tollwut brach stärker aus. Waren die Hundstage kalt und trübe, hatte man Angst vor pestartigen Krankheiten, gab es aber schönes Wetter, so hoffte man auf ein gesundes Jahr. Astronomisch beginnen die Hundstage etwa einen Monat später.

Dem heiligen Christopherus gedenkt man am 24. Juli. Als Schutzpatron der Autofahrer finden heute an manchen Orten Fahrzeugweihen statt.

Um Jakobi (25. Juli) gibt es die ersten reifen Äpfel, die man zu Ehren des Heiligen „Jakobi Äpfel“ getauft hat. Auch die ersten „Jakobi-Erdäpfeln“ (Kartoffeln) wurden ausgegraben. Früher war der Namenstag des hl. Jakobus ein Bauernfeiertag, an dem sich die Bauern und ihre Familien die Zeit nahmen, nach ihren Feldern und Almen zu sehen. Manchmal wurden sie hier auch von Geistlichen begleitet, die an Bildstöcken und Wegkreuzen kleine Andachten abhielten.

Nach mittelalterlichem Volksglauben flogen die Hexen in der Nacht des 31. Juli zum Hexensabbat, einem Treffen aller Hexen. Dort aßen, tranken und tanzten Sie gemeinsam mit Dämonen. Der Hexenkult entstammt wohl einst einem Fruchtbarkeitsritual, in dem die Gottheit als Bock erschien. Sie fanden neben dem 31. Juli am 1. Mai (Walpurgisnacht) und am 1. November statt. Der Brocken im Harz („Blocksberg“) war der bekannteste Treffpunkt. Er gab ab dem 16. Jahrhundert allen Versammlungsorten den Namen. Auch eine „Königin des Sabbats“ soll es gegeben haben.

© 2004, Thomas Maier

August

Wiss´n, wo da´Bartl an Most hoid…“
Ein Brauchtumskalenderblatt

Seinen Namen hat der August vom ersten römischen Kaiser Augustus (63 vor bis 14 nach Christus), der in diesem Monat, der früher Sixtus (der Sechste) hieß, die meisten Siege errungen hatte. Daraufhin änderte er den Monatsnamen.  

Nur am Rande erwähnt: Juli und August sind die einzigen Monate im Kalenderjahr, die nacheinander 31 Tage haben. Der Grund dafür ist, dass man den göttlichen Augustus nicht weniger Tage zugestehen wollte, als dem göttlichen Cäsar. Also bekamen beide 31 Tage.

Die Petri Kettenfeier (1. August) erinnert an die Gefangenschaft des heiligen Petrus. Wie der 1. April und der 1. Dezember war auch dieser Tag ein Unglückstag. An diesem Tag sollte nach altem Volksglauben die Erzengel den Luzifer in die Ewige Verdammnis (Hölle) gestürzt haben. Als Schutz und Glücksbringer wurden daher Zweige der widerstandsfähigen Eberesche mit den jetzt reifen Ebereschenbeeren an die Türen und Tore von Haus und Stall genagelt.

Unsere heidnischen Vorfahren verehrten am 01. August die Getreidemutter, Lammas genannt. Der Göttin wurde beim Brotfest oder Lammas-Abend gedacht. Brot hatte schon immer eine besondere Bedeutung. So findet man es in vielen Gebeten wieder (z.B. im Vater unser: „…unser tägliches Brot gib uns heute…“) und viele Gläubige machen auch heute noch ein Kreuzzeichen auf die Unterseite frischen Brotes, bevor sie es anschneiden. 

Beim Erntebeginn für das Getreide wurde in früheren Zeiten darauf geachtet, dass es kein Sonn- oder Lostag war. Oft wurde mittags festlich beim ersten Erntetag auf den Feld gegessen und ab und an gab es am Abend einen Tanz. Doch ansonsten herrschte oft Tanzverbot während der Erntezeit und auch der Immerwährende Reichstag zu Regensburg legte das „in den April schicken“ vom 1. August auf den 1. April, damit die Mägde und Knechte nicht von ihrer Arbeit abgehalten wurden.

Vom 10. bis 15. August kann man viele Sternschnuppen beobachten. Sie werden zu dieser Zeit auch „Laurentiustränen“ zu Ehren des Heiligen (10. August) genannt. Das Holz stellt nach alter Bauernweisheit an Laurenzi das Wachstum ein.

Eines der ältesten Marienfeste wird seit dem 7. Jahrhundert gefeiert: Maria Himmelfahrt. Den Aposteln soll beim Öffnen des Grabes ein wunderbarer Duft von Kräutern und Blumen entgegen gestiegen sein. Darum feiert das Fest mit einer Kräuterweihe, auch mancherorts Würzweih oder Büschelfrauentag genannt. Der Kräuterbund ist dabei regional unterschiedlich, sollte sich jedoch aus drei (heilige Zahl) mal drei Kräutern zusammensetzen. In der Mitte befindet sich meist die Königskerze oder Himmelsbrand, der von Wermut, Kamille, Schafgarbe, Tausendgüldenkraut, Johanniskraut, Pfefferminze, Thymian, Königskerze, Baldrian, Holunder oder Getreide umschlossen wird. Der kleine Strauß diente ebenso der Abwehr von Gefahr vor Haus und Hof.

Das Ende der Schon- und Laichzeit der Fische ist der 24. August. Das Fest des heiligen Bartholomäus eröffnet den Fischfang. Früher wurde dies mit Fischessen, Prozessionen und Fischzügen gefeiert.

Aus Augsburg ist anno 1872 bekannt, dass alle Wirte, die zu Bartholomä noch keinen (Obst-) Most hätten, die Schankberechtigung verlieren würden. Da der Most Ende August noch recht Sauer war, muss derjenige, der zu dieser Zeit zu einem trinkfähigen Most kommt, schon ein recht gewitztes Kerlchen gewesen sein. Daher auch der Spruch „Wissen, wo der Barthel den Most holt.“

© 2004, Thomas Maier

September

Der Michl zündt´s Licht an…“
Ein Brauchtumskalender

Der September ist der erste der altrömischen Monate, die nach einer Zahl benannt wurden. Septem bedeutet der Siebte. Der Siebte und nicht der Neunte – das kommt von der Zählweise im altrömischen Kalender vor der Kalenderreform von Julius Cäsar. Alte Namen für den September sind Herbstmond, Scheiding und Holzmonat.

Ein wichtiger Wetterlostag war der 1. September. Um diese Zeit begannen die Roggenaussaat, die Obsternte und auch die Eichelernte. Eicheln, Bucheckern und Kastanien waren das Futter für die Schweine in früheren Zeiten. Die Tiere wurden in den Wald getrieben und falls es zahlreiches Futter gab, so sprach man von einem Mastjahr.

Am 2. September begab man sich bei Sonnenaufgang zu einer Waldquelle. Das Wasser sollte die Kraft für den Körper und die Seele erhalten.

Die katholische Kirche feierte grundsätzlich nur Namenstage. Ausnahmen bilden nur die Geburtstage Jesus Christus, sowie des Heiligen Johannes des Täufers und der Jungfrau Maria. Den letzteren feiert man am 8. September neun Monate nach „Maria Empfängnis“ als „Maria freudig“.

Auch der Almabtrieb (oder Viehscheid) findet oft an oder um diesen Tag herum statt. Die Sennerinnen und Sennen führen das Vieh von den Almen hinunter zurück zum Bauern. Die Tiere sind „aufgekranzt“, dass heißt mit Kränzen aus Tannengrün, Almblumen und bunten Bändern geschmückt. Auch die Kuhglocken gehören dazu. Das Geläut soll Dämonen und Gefahren auf den Weg ins Tal fernhalten.

Der Schulanfang ist seit dem Mittelalter ein besonderer Tag. Der Brauch mit den Schultüten war zuerst im 19. Jahrhundert in Thüringen und Sachsen bekannt und verbreitete sich dann über das gesamte Deutsche Reich.

Seit 1683 begeht die katholische Kirche das Fest „Maria Namen“ am 12. September. Diesem folgt der Kreuzerhöhungstag (14. September), der seinen Ursprung in der Einweihung der Konstantinischen Basilika über dem heiligen Grab in Jerusalem am 13.09.335 nach Christus hatte.

Mit dem Fest der „Sieben Schmerzen Mariens“ (15. September) endet die segensreiche Zeit der Frauendreißiger. Daher war dieser Tag ein „Untag“, an dem sogar die Fenster verhangen wurden.

Am 12. Oktober 1810 vermählte sich die Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen mit dem bayrischen Kronprinzen Ludwig I. Die Hochzeit sollte als großes Fest für das bayerische Volk abgehalten werden. Deshalb wurde auf einer großen Wiese, nahe der Schwanthalerhöhe, für allerlei Lustbarkeiten gesorgt. Dies war der Ursprung des größten Volksfestes der Welt, das aber auch in diesem Jahr bereits Ende September (am 18. September 2004) auf der Theresienwiese beginnt: dem Oktoberfest in München. Lange Tradition hat hier auch der Trachten- und Schützenzug, der am ersten Sonntag auch unter Mitwirkung zahlreicher Vereine aus dem Isargau abgehalten wird.

Mit dem 21. September begannen acht Schwendtage, an denen nichts Neues begonnen wurde. Vielmehr nutzte man die Zeit für Aufräum-, Putz- oder Rodungsarbeiten. Heutzutage ist davon noch der Herbstputz erhalten geblieben.

Am 23. September beginnt der Altweibersommer. Er ist die zuverlässigste Hochdruckwetterphase im ganzen Jahr. Andere Namen für diesen Tag waren in Bayern „Aenlsummer“ oder in der Schweiz „Witwensömmerli“.

Ab dem Gedenktag des heiligen Michael wurde früher bis Lichtmess bei Kunstlicht gearbeitet. Vor dem ersten Arbeitstag bei Kunstlicht gab es ein Festessen. Die Redewendung „Der Michel zündt´s Licht an…“ rührt von diesem Tag her. Heute wird am 29. September auch den anderen Erzengeln, Gabriel und Rafael, gedacht. 

© 2004, Thomas Maier

Oktober

Von Erntedank und Kirta
Ein Brauchtumskalenderblatt

Nach der altrömischen Zählung ist der Oktober der achte (=octo) Monat. Andere Namen waren Weinmond und Gilhart (Monat der vergilbenden Blätter). 

Eines der ältesten Feste ist das Erntedankfest, das meist am ersten Sonntag im Oktober gefeiert wird. Bereits in der Antike gab es dieses Fest in vielen Kulturen. Auch bei unseren germanischen Vorfahren fand damit die Herbst-Tag- und Nachgleiche seinen Abschluss. Bei reicher Ernte wurde zu Ehren Wodans ein Erntedankfest als Dank für das gesicherte Weiterleben auch in den kargen Wintermonaten gefeiert. Aus den Tänzen und Gelagen zu diesem Anlass entwickelte sich später das Kirchweihfest.  

Die wahrscheinlich tagelangen Erntedankopfer führten dazu, dass ein anderer Name für den November „Blôtmoath“ (Opfermonat) war. Dieser Brauch lebt auch heute noch in den Feiern der Kirche fort, bei der nebst einer Erntekrone die Früchte aus Feld und Garten auf dem Altar dargebracht werden. Auch heute noch ist es für uns wichtig, den Dank für das leider zu oft selbstverständliche tägliche Brot nicht zu vergessen und auch an jene zu denken, die diesen Luxus nicht haben. 

In diesem Jahr (2004) fällt das Erntedankfest mit dem Tag der deutschen Einheit (3. Oktober) zusammen, unserem offiziellen Nationalfeiertag.

Einen Tag davor, am 02. Oktober, feiert die katholische Kirche seit dem 17. Jahrhundert das Schutzengelfest, an dem man sich bei seinem Schutzengel bedankt und um Verzeihung bittet. Dem armen Reisenden verköstigte man ihn früheren Zeiten an diesem Tag. 

Bereits im 15. Jahrhundert ist das Rosenkranzgebet entstanden. Den Gedanktag unserer lieben Frau vom Rosenkranz feiert man am 7. Oktober.

Am Tag des heiligen Gallus (16. Oktober) fanden früher Hausschlachtungen statt. So war zu einer Zeit ohne Gefriertruhe bekannt, dass sich ab „Gallus“ das Fleisch hält.

So genannte Lukasfeuer entfachte man am Fest des heiligen Lukas (18. Oktober). 

Am dritten Sonntag im Oktober feiert die katholische Kirche Kirchweih, auch Kirta und Kirwa genannt. Früher durfte an diesem Wochenende nach der langen Sommerpause zum ersten Mal wieder getanzt und gezecht werden. So gab es an diesem Tag auch besondere Leckereien, wie die Kirchweihgans oder die Kirchweihnudeln. Außerdem wurde an vielen Höfen eine Kirtahutschn aufgebaut. Diese Schaukel aus einem großen Balken oder Brett wurde an einer Tenne an Stricken oder Ketten hängend befestigt. 

Am Tag Simon und Juda (28. Oktober) soll einst die Sinnflut über die Menschheit als Strafe Gottes gekommen sein. 

Am 31. Oktober gedenkt man dem heiligen Wolfgang

© 2004, Thomas Maier

November

Allerheiligen, Leonhardi und St. Martin
Ein Brauchtumskalenderblatt

Nach dem altrömischen Kalender ist der November der neunte (lat. novem) Monat. Andere Namen sind Nebelung und Windmond. Er war die Zeit, in der frei lebende Wölfe auf der Futtersuche nahe an einsame Gehöfte herankamen und man begann, Brennholz für das nächste Jahr zu sammeln.

Allerheiligen und Allerseelen (01. und 02. November) hat seinen Ursprung in der keltischen Mythologie. Zu Beginn des keltischen Jahres im November feierten diese ein großes Totenfest, welchem die katholische Kirche mit diesen beiden Festtagen entgegen wirken wollte.  

An Allerheiligen verlassen nach altem Glauben zu Mittag die Seelen der Toten das Fegefeuer bis zum Angelusläuten am Mittag des nächsten Tages. Daher stellte man früher Brot und Wein als Wegzehrung auf die Gräber. Man achtete darauf, dass kein Messer mit der Scheide nach oben lag, damit die armen Seelen nicht darauf reiten mussten. Auch wurde keine Türe fest zugeschlagen, da man eine arme Seele darin einklemmen konnte. Auch leere Pfannen durften nicht auf den Ofen stehen, da arme Seelen darin verbrennen konnten. 

Den Toten gedenkt man auch heute noch an Allerheiligen. Die Familien treffen sich an den festlich geschmückten Gräbern und zünden Kerzen an. Am Nachmittag finden Prozessionen auf den Friedhöfen statt. Man betet gemeinsam und der Priester segnet die Gräber mit Weihwasser und Weihrauch. Anschließend besucht man oft die Verwandtschaft. 

Auch an Allerseelen werden Gottesdienste und Prozessionen abgehalten. An ihm soll man besonders allen Verstorbenen gedenken.

Zu Ehren des heiligen Leonhard finden um Leonhardi (6. November) alljährlich prachtvolle Umzüge mit Rössern und bemalten Truhenwagen statt. Der heilige Leonhard ist der Schutzpatron der Pferde. Früher war es üblich, dass Bauern, die mit einem besonderen Anlass an der Fahrt teilnahmen, sich Ketten umgürteten. Diese wurden dann als Dankmotiv geopfert, wenn die Wallfahrt von Erfolg gekrönt war.  

Zum Fest des heiligen Martin, dem Martinstag (11. November), gibt es viele Bräuche. Jedes Kind kennt die Geschichte, in der Sankt Martin seinen Soldatenmantel mit einem frierenden Bettler teilt; in der Nacht erscheint ihm Christus, mit jenem abgeschnittenen Mantelstück bekleidet. Sankt Martin ist der Heilige der christlichen Nächstenliebe. So ziehen an diesem Tag die Kinder nach dem Gottesdienst mit selbst gebastelten Laternen, begleitet von einem Reiter, beim Martinszug singend durch die Straßen.  

In Hungerszeiten bekamen Kinder früher eine große Tüte mit nicht alltäglichen Süßigkeiten und anderen Köstlichkeiten geschenkt: Bonbons, Schokolade, Äpfel, Nüsse. Auch heute noch erhalten an machen Orten Kinder in Erinnerung an die freigebigen Taten des heiligen Martin ein Martinsgeschenk

Auch war der Martinstag einst Pacht- und Zinstag. Die Pächter gaben an diesem Tag ihren Grundherren den Pachtzins in Form von Naturalien. Für den reichen Grundbesitzer war es ein ertragreicher Tag, an dem es ihm leicht fiel, sich erkenntlich zu zeigen. Die Kinder zogen damals von Haus zu Haus, sangen ihre Lieder und erhielten eine Wurst, ein paar Eier oder einen Martinspfennig

Das Martinsfeuer wird oft am Vorabend des Martinstages entzündet. Die Kinder tanzen um das Feuer oder springen darüber, sobald es zur Glut geworden ist.

Wie bei vielen Festen haben die Gänse auch am Martinstag nichts zu lachen. Die Martinsgans war an diesem Tag voll gemästet und die Zeit des adventlichen Fastens stand kurz bevor. So war es früher eine der letzten Gelegenheiten zum festlichen Schmaus. Äußerer Anlass war der Zins- und Lohntag für die Mägde und Knechte. 

Den Kriegsopfern und den Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft gedenken wir seit 1925 am Volkstrauertag (13. November). Der Buß- und Bettag (16. November) wird allem in der evangelischen Kirche als Sühnetag begangen. Am Tag der heiligen Elisabeth (19. November) erhielten die Armen und Bedürftigen einen Teil der Gemeindevorräte für den Winter und am Festtag der heiligen Cäcilie (22. November) trifft man sich vielerorts zur Hausmusik. Sie ist die Patronin der Kirchenmusik, Musiker und Dichter. 

Die vorweihnachtliche katholische Fastenzeit beginnt am Katharinentag oder Kathrain (25. November). Ab heute werden auch die ersten Weihnachtsplätzchen gebacken. 

Der Tag des heiligen Andreas (30. November) ist ein wichtiger Los- und Orakeltag. So versuchten junge heiratswillige Mädchen an ihm herauszufinden, ob sie im nächsten Jahr einen Mann finden würden. Aber auch das Schlachten begann am Andreastag. In heidnischer Zeit begannen an diesem Tag die Fruchtbarkeitsbräuche des kommenden Winters. 

Nun ist das Weihnachtsfest nicht mehr fern…

© 2004, Thomas Maier

Dezember

Zu Bethlehem geboren…
Ein Brauchtumskalenderblatt

Im altrömischen Kalender war der Dezember der zehnte Monat. (decem = zehn) Er wurde auch
Wolfs-, Schlacht-, Heilig-, Heils- oder Christmond genannt.

Am ersten Sonntag nach dem 25. November beginnt die Adventszeit, welche schon in der Niederschrift des Konzils von Saragossa (380 n. Chr.) erwähnt wird. Durch Papst Gregor den Großen hielt im 6. Jahrhundert die Adventsliturgie Einzug, welche um 1570 von Papst Pius V festgeschrieben wurde. So sollten sich die Christen während des Advents (lat. „die Ankunft“) auf die Geburt Jesu Christi vorbereiten. Es war eine Buß- und Fastenzeit, in der weder getanzt noch geheiratet werden durfte. 

Verbunden mit der Adventszeit ist der Adventskranz. Er symbolisiert, wie durch die Geburt Jesus Christus das Licht in die Dunkle Welt kam. Den ersten Adventskranz gab es nachweislich im „Rauhen Haus“, einer protestantischen Erziehungsanstalt bei Hamburg. Der Erfinder soll Heinrich Wiechern (gestorben 1881), der Begründer der Inneren Mission, gewesen sein. 

Am 01. Dezember soll nach altem Volksglauben Sodom und Gomorrha vom Herrn für ihre Sünden zerstört worden sein. Daher sollte man alles Angefangene an diesem Tag auch zu Ende führen.

Viele dürfen an diesem Tag das erste Türchen am Adventskalender öffnen. Um 1904 gab es den ersten „Münchner Weihnachtskalender“ mit dem Titel „Die 24 Wartetage“. Er sollte wie heute noch das Warten auf Weihnachten verkürzen. 

Zum Fest der heiligen Barbara (4. Dezember) werden die Barbarazweige geschnitten, die, in Wasser gestellt, bis Weihnachten blühen. Sie sollten in der Nacht vor dem Barbaratag vor Sonnenaufgang geschnitten werden. Dabei sollte nicht gesprochen werden. Die Barbarazweige sind Sinnbild für die Auferstehung jedes Christen nach dem Tod. Auch die Adonisgärtchen sind Sinnbild für diesen Tag. 

Am 6. Dezember wird das Fest des heiligen Nikolaus gefeiert. Kinder erhalten an diesem Tag vom Heiligen kleine Geschenke, z.B. Teller mit Süßigkeiten, Äpfel oder Nüssen. In vielen Familien ist es üblich, dass ein naher Verwandter oder Freund als Nikolaus auftritt und von den guten und bösen Taten der Kinder berichtet. Früher erhielten die Kinder vom Nikolaus noch einen Streich mit der Rute. Das war ursprünglich keine Strafe, sondern eine Segensgeste; die Rute als lebendiger Zweig, der bei einer Berührung Fruchtbarkeit verheißt. Mit der Zeit wurde dies vergessen. Die Rute wurde zum Sinnbild der Strafe. In manchen Gegenden wird der Nikolaus von finsteren Gesellen, z.B. dem Krampus, begleitet. 

Eine schwere Zeit hatte der Nikolaus nach dem Erscheinen der Weihnachtsmänner, deren Ursprung im Väterchen Frost der Russen, dem Santa Claus der Amerikaner, dem Father Christmas der Engländer und Père Noël der Franzosen liegt. Fortan wurde er mit ihnen im roten Coca-Cola-Gewand in einen Topf geschmissen. 

Seit 1708 feiern die christlichen Kirchen „Maria Empfängnis“. Es ist das Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria. 

Vor dem gregorianischen Kalender war der Luziatag (13. Dezember) der kürzeste im Jahr: „Sankt Luzen tut den Tag stutzen“. Bis ins 15. Jahrhundert bekamen die Kinder an diesem Tag – und nicht an Weihnachten – die Geschenke. In Tirol glaubte man, dass die Geister der Vorfahren in dieser Nacht ihr Spiel trieben. 

Die Wintersonnenwende findet am 21. Dezember statt, der zugleich der Tag des heiligen „ungläubigen“ Apostels Thomas war. Er war ein wichtiger Lostag. So hofften ledigen Mädchen durchs Pantoffelwerfen, etwas über ihren späteren Bräutigam zu erfahren. Auch sollten Träume in Erfüllung gehen, wenn man sich verkehrt herum ins Bett legte.  

Den Göttern wurde in heidnischer Zeit Schüsseln mit Früchten geopfert. Diesen Brauch übernahm das Christentum. Noch heute stellt man diese mit Äpfeln und Nüssen zu Hause auf. 

Der genaue Geburtstag Jesu Christ ist unbekannt und wurde früher am 6. Januar gefeiert. Das Brauchtum am Tag des „Sieges Christi über die Dunkelheit“, wie Heilig Abend (24. Dezember) früher hieß, und den Tagen danach, ist umfang- und facettenreich und würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Erwähnt sei nur die Christmette, der Krippenbau, die Bescherung, der Christbaum, und vieles mehr. Ein schöner Aberglaube ist das „Stallhorchen“. Dabei versuchte man, durch Lauschen die Meinung der Tier zu erfahren, die in dieser Nacht in menschlicher Sprache sprechen sollen. 

Soviel Brauchtum es auch in dieser Zeit geben mag, wichtig ist es, dass man sich Zeit für seine Familie und Freunde nimmt. Dann beginnt wirklich die „staade Zeit“. 

Die Rauh- und Rauchnächte (vom 25. bis 6. Dezember) standen früher unter dem verstärkten Einfluss böser Mächte und Gewalten. Der Name „Rauch“ erinnert daran, dass man in den zwölf Nächten Haus und Hof mit Weihrauch ausräucherte, um damit dem bösen Treiben der Geister Einhalt zu gebieten. „Rauh“ kommt hingegen von „ruh“ (=rau, grob) und hängt mit den wilden, pelzverhüllten Masken (Perchten) zusammen, die die Wilde Jagd symbolisieren. An diesen Tagen spann man nicht, da man glaubte, Frau Holle oder Frau Harre kommt, und verunreinigt den Rocken. Oder man spinne Zank und Ungeziefer in das Haus. Frau Holle hat Ihren Ursprung in der uralten germanischen Göttin Hel, die die roten Augen der Hexen hatte. In anderen Gegenden hütete man sich davor, Hülsenfrüchte zu essen, da man sonst Geschwüre bekäme. Auch fürchtete man, dass die Hühner das ganze Jahr über keine Eier legen. 

Am Tag des heiligen Stephanus (26. Dezember) trank man früher Stephanusminne, der gegen Steinkrankheiten helfen sollte. In jüngerer Zeit kehren junge Burschen zum Stephanischnaps bei netten Mädels ein. 

Am 27. Dezember wechselte mancherorts das Gesinde die Stellung. Der Tag der unschuldigen Kinder (28. Dezember) erinnert an die grausame Tat des Königs Herodes, der jedes geborene Kind töten ließ. Bis ins 13. Jahrhundert durften die Kinder an diesem einen Tag „regieren“. 

Seinen Ursprung hat das Silvester- und Neujahrsfest in altrömischen und teilweise auch germanischen Riten, die die christliche Gemeinde trotz zahlreicher Bemühungen nicht ausmerzen konnte. Der Namenspatron des 31. Dezembers ist der heilige Silvester I, der von 314 bis 335 n. Chr. Papst war.

In jüngster Zeit war das Jahr 2000 ein besonders Neujahr, da man vermutete, dass einige Rechner (Computer) die Umstellung in das 4stellige Jahressystem (von „00“ auf „2000“) nicht verkraften könnten. Noch eine Kuriosität: Das 21. Jahrhundert begann nicht am 01.01.2000, wie vielfach behauptet, sondern am 01.01.2001. Mit dem 31.12.2000 war das 20. Jahrhundert erst vollendet. Doch auch das ist sicherlich in 100 Jahren nur noch Tradition und Brauchtum.

© 2004, Thomas Maier