Hoagart’n, Hoagascht , Hutscha-Abend“

Hoagascht und andere Mundartformen wie Hoa(n)gart’n, Hoimgarta und Huigert (Heim-/Dorfgarten) „Sitzweil“ oder der Hutscha-Abend ist einer der schönsten Bräuche im bayerischen Raum, der vor allem im Spätherbst und Winter gepflegt wird.

Früher waren die Sommermonate auf dem Land von schwerer körperlicher Arbeit geprägt, vom Morgengrauen bis zum späten Abend. Nach der Ernte wurde es ruhiger auf den Höfen. Zwar war das Vieh zu versorgen, im Haus wurde eingeweckt, geräuchert und gesurt (gepökelt), auf dem Hof die Wagen und Geräte gründlich überholt. Doch früh am Abend war das Tagwerk getan und es blieb Zeit, sich mit den Nachbarn zu treffen. An milden Abenden saß man auf der Bank vorm Haus.

 Wenn es draußen zu kalt wurde, fanden diese Treffen in der „Gunklstubn“ oder Hutschastubm (oberpfälzische Bezeichnung) statt. Über die Herkunft der Bezeichnung „Gunkl, Gunggel, Kunkel“ist man sich noch nicht einig. Jedenfalls wurde in der „Gunklstubn“ genauso wie im Freien miteinander ausgelassen geratscht, getanzt, gespielt und musiziert. Die Frauen hatten nicht selten Strick- oder Häkelzeug in der Hand, oder das Spinnradl drehte sich und man musizierte. An Michaeli fing die Lichtarbeit an; die Spinnräder wurden vom oberen Boden heruntergeholt. „Michaeli kants (zünds; vom lateinischen Wort incendere=anzünden) Liachtl o, dass’s Dirndl spinna ko“.

Früher nannte man diese Zeit auf den Dörfern die „lusti Sitzweil“ auch „Reihum-Sitzweil“ genannt, weil nacheinander auf den jeweiligen Bauernhöfen die „Hausbälle“ stattfanden. Dabei wurden allerlei Scherzspiele durchgeführt, aber in erster Linie galten die Zusammenkünfte der Pflege der Volksmusik und der alten Tänze.

In dieser Zeit hatten die dörflichen Musikanten Hochsaison und vor allem die bäuerlichen Tanzformationen, die Zwiefachen, feierten dabei fröhliche Urständ.

Da im Januar auch bei den meisten Bauern das Dreschen – mit dem Dreschflegel auf der Tenne (dem befestigten Fußboden einer Scheune) – zu Ende ging, gab es bei diesen Hausbällen als Spezialgericht die „Dreschersupp’n“, was mit einer bäuerlichen Schlachtschüssel zu vergleichen ist.

Und weil der Rhythmus der Jahreszeiten wie eh und je die Landwirtschaft prägt, trifft man sich in Bayern bis heute vor allem in der „staaden“ Zeit zum Hoagascht.

Diese Form der regelmäßigen Zusammenkunft kann man aus heutiger Sicht als Ursprung des Stammtisches bezeichnen. Die Urgroßeltern, die Großeltern und die Eltern haben’s gemacht, warum sollten wir diese Tradition also nicht weiterführen?

Ingrid Stigler, ehem. Gaubrauchtumswart